Germanisierung internationaler Küche
Der Nachbar meines Elternhauses war Franzose, der eine Deutsche geheiratet hatte. Immer wenn er seine Mutter in Sierck-les-Bains besuchen ging, brach ter er unter anderem Merguez mit. Und wie es im Saarland so üblich ist, wurden auch meist die Nachbarn eingeladen, um mit zu grillen. Gerade am Wochenende hatte jedes Haus immer Grillsachen im Kühlschrank und man ist dann zum Nachbarn gegangen – oder der Nachbar kam rüber – und hat sein Fleisch auf dem traditionellen saarländischen Schwenker gemeinsam gegrillt.
Gegrillt wurde meist der traditionelle “Schwenkbròòde“, eingelegter Schweinenacken. Dann aber hat der Nachbar Merguez eingeführt und wir versuchten uns an den fremden Würstchen. Merguez sind kleine dunkle Rind-/Lammwürstchen, die mit zunehmender Grillzeit immer kleiner wurden, da aus ihnen jede Menge Fett ausgebacken wurde. Beim Grillen wurden sie mit einem spitzen Messer eingestochen, damit das Fett ablaufen konnte. Das tropfte ins offene Feuer und zischte und rauchte. Nicht so gesund wie man heute weiß.
Merguez sind traditionell sehr scharf gewürzt. Der erste Bissen war immer heftig und als 15- oder 16-jähriger kaum auszuhalten. Später während des Studiums als ich in Saarbrücken wohnte, fuhren wir öfter nach Frankreich, um Zigaretten zu kaufen. Die waren da immer viel billiger. In der Nähe der Grenze, die es damals noch gab, gab es eine Wurstbude, wo man Merguez auf einem Stück Baguette dünn mit Harissa bestrichen kaufen konnte. Scharf, höllenscharf war das aber lecker.
Und was ist heute im Ländle? Ich kaufe immer mal wieder Merguez, wenn ich die irgendwo bei einem Metzger oder auch verpackt in der Kühltheke eines Supermarktes sehe. Aber die haben mit den Merguez aus meiner Kindheit nichts zu tun, außer vielleicht, dass sie ähnlich aussehen. Aber die mögen sogar Jette (4 Jahre) und Moritz (knapp 7 Jahre). Da kann man abschätzen wie “scharf” die sind.
Das gleiche erlebe ich ständig. Geh mal in Deutschland in ein Thairestaurant oder zum Inder. Selbst die Gerichte, die auf der Karte als sehr scharf markiert sind, sind maximal würzig bis leicht scharf. Ok, ich kann Essen sehr scharf vertragen. Aber ich habe auch einmal 7 Monate in Amsterdam gearbeitet. Da wurde so gekocht wie in den Heimatländern, wie indische Kollegen versicherten. Und wenn der Kellner meinte “You know it’s hot Sir?” dann hatte man es sich zweimal überlegt. In Deutschland wird alles immer “Germanisiert”, schade eigentlich.
PS: Wenn jemand Adressen in der Tübinger Gegend kennt, bei denen das nicht so ist, gerne als Kommentar oder Email
Die Bude, wo war das noch… ich erinnere mich, dass ich da auch immer…., aber wo?
Wenn Du in der Metzer Strasse über die Grenze bist, dann hab ich 200-300 m dahinter immer Zigaretten gekauft. Von da aus dann 1 km maximal 2 Kilometer die lange gerade Strasse Richtung Forbach weiter, kam die Bude dann auf der linken Seite. War wahrscheinlich auf Deiner Strecke zum Wie-hiess-der-Supermarkt-noch-gleich?
Ping, Erinnerung wieder da…Email folgt…
Snack d’Or hieß der Imbiss
Genau! In Anlehnung an die Goldene Bremm!
Später bin ich ins Cora, am Anfang aber immer in einen kleinen Supermarkt in Stiring-Wendel, ich komm jetzt nicht mehr auf den Namen. Aber dieser Geruch nach Chlor-Putzmittel, der da immer im Eingangsbereich waberte (wegen der Kundentoiletten…), hat sich mir so eingeprägt, dass ich immer wehmütig daran zurückdenke, wenn hier jemand putzt. Die Einheimischen hier trauen nämlich keinem Putzmittel, dass nicht eklig nach Chor riecht.
Die Anpassung an den landestypischen Geschmack ist nicht nur auf Deutschland beschränkt. In England war ich mal bei einem Griechen, da hat Tsatsiki nach Minze geschmeckt!
Hat manchmal aber auch was Gutes. Die Chinesen z.B. zerhacken die Hähnchen/Enten, ohne vorher die Knochen zu entfernen.
Zum Thema “Gastronomie” in Deutschland fällt mir folgends Bildchen ein… auch wenns nicht wirklich was mit gutem Essen zu tun hat.
http://i658.photobucket.com/albums/uu307/0815pics/20.jpg
(Kann man ohne Angst klicken ist nix böses, nur ein Bildchen)